Im Jahre 1921 gab es in Bietigheim die beiden Vereine Stadtkapelle und Musikverein Bahnhof. Während der Zeit des zweiten Weltkrieges hatten beide Vereine um ihr Überleben zu kämpfen, da sie von den Machthabern nicht gebilligt wurden. Von der Stadtkapelle heißt es sogar, dass sie 1934 von selbigen aufgelöst wurde. Durch eine Umbenennung konnte der Verein aber weiter bestehen.

Zeitungsbericht zur Gründung des Vereins "Lyra".

Bereits in den frühen 1960er Jahren begannen die beiden Musikvereine gemeinsam zu musizieren. Da war es ein logischer Schritt die Stadtkapelle und den Musikverein Bahnhof zu einem Verein zu verschmelzen. Die Erkenntnisse der damaligen Zeit zeigten deutlich, dass das allgemeine Interesse an Vereinsarbeit immer mehr nachließ. Da die Verantwortlichen eine erfolgreichere Zukunft für beide Vereine in der Fusion der Stadtkapelle und des Musikvereins Bahnhof sahen, entstand also im Jahre 1965 das Stadtorchester Bietigheim e.V..

Zeitungsbericht zur Gründung des "Stadtorchester Bietigheim" durch Fusion.

Heute kann man aus Sicht des Vereins mit Recht behaupten, dass die eingegangene musikalische Verbindung eine glückliche Entscheidung war. Der auf diese Weise neu entstandene Verein bekam wie erwartet neue Impulse, durch die Aufgeschlossenheit aller Vereinsmitglieder konnte sich das Stadtorchester Bietigheim e.V. festigen und in Ruhe neuen Herausforderungen entgegentreten. Nachdem das Stadtorchester Bietigheim e.V. sich nun zu einer homogenen und höchst motivierten Gruppe zusammengeschlossen hatte, konnten die musikalischen Aktivitäten auch wieder etwas ausgebaut werden.

So kam im Jahre 1967 die berühmte Tänzerin, Sängerin und Schauspielerin Josephine Baker nach Bietigheim um bei einem Wohltätigkeitskonzert für die Aktion Sorgenkind mitzuwirken. Den Auftritt ließ sich Ms. Baker nicht bezahlen, lediglich die Unterkunft und Verpflegung des prominenten Gastes wurden vom Stadtorchester übernommen.

Aktion "Sorgenkind" mit Weltstar Josephine Baker und dem Stadtorchester Bietigheim.

Ende der 1960er Jahre und in den 1970er Jahren gab es die Tradition, dass Musikvereine aus der Region am Stuttgarter Flughafen bei Frühschoppenkonzerten spielten und somit die Vereinskasse ein wenig aufstocken konnten. Hier war auch das Stadtorchester immer wieder mit großer Freude dabei.

Das Stadtorchester Bietigheim musiziert am Flughafen Stuttgart.

Für jeden Musikverein stellt sich irgendwann einmal die Frage: wie gut sind wir eigentlich? Um dies zu testen, veranstalten die Kreisverbände in Deutschland regelmäßig Wertungsspiele, zu welchen sich jeder Verein anmelden kann. Die Bewertung der teilnehmenden Vereine findet in unterschiedlichen Kategorien statt. Auch das Stadtorchester Bietigheim e.V. hat unter verschiedenen Dirigenten schon an mehreren Wertungsspielen teilgenommen und ist mit gutem oder sogar sehr gutem Ergebnis nach Hause gekommen.

Das Jahr 1989 war für die Stadt Bietigheim-Bissingen ein besonderes Jahr. Sie konnte ihr 1200-jähriges Bestehen feiern. Neben der Landesgartenschau und dem Pferdemarkt mit traditionellen Kostümen fand am 21. Mai 1989 die größte Fernsehshow in der Geschichte Bietigheim-Bissingens statt. Die Verantwortlichen der Stadt hatten sich bereits mehrere Jahre darum beworben, dass das ZDF Sonntagskonzert aus Bietigheim gesendet werden sollte. Neben den anderen Musikvereinen und -gruppen war auch das Stadtorchester Teil dieser außergewöhnlichen Veranstaltung.

Als musikalisches Spektakel vom Fagott bis zur Fanfare wurde ein Gemeinschaftskonzert des Blasmusik-Kreisverbands Ludwigsburg mit dem Städtischen Blasorchester Backnang, dem Stadtorchester Bietigheim e.V. und dem Landesblasorchester bezeichnet. Dieses 3-stündige Konzert fand im November 1990 im Ludwigsburger Forum statt und war für alle drei Vereine ein großer Erfolg.

Ein besonders großes Highlight in der Geschichte des Stadtorchesters war sicherlich die Reise zur Steubenparade in New York im Jahre 2004. Die German-American Steubenparade ist die größte deutsch-amerikanische Kulturveranstaltung in den USA. Jedes Jahr nehmen rund 100.000 Leute an der Parade auf New Yorks berühmter Fifth Avenue teil. Medien beider Länder sind Jahr für Jahr vertreten. So konnten die Mitglieder des Stadtorchesters auch ihre Teilnahme an dieser Großveranstaltung voller Stolz im amerikanischen TV anschauen. Nach einer aufregenden Zeit in New York, bei welcher außer der Parade auch die berühmten Sehenswürdigkeiten wie das Empire State Building, die Freiheitsstatue, Ground Zero, der Central Park und vieles mehr nicht zu kurz kamen, fuhren die Musikerinnen und Musiker gemeinsam zu den Niagara Fällen. Neben einer Tour auf der Maid of the mist, die mit einem Boot bis fast an die Fälle hinführt, oder der Journey behind the Falls, bei der man die Fälle von hinten ansehen und erleben kann, war ein Platzkonzert an den berühmten Wasserfällen ein besonderes Ereignis. Den Abschluss dieser fantastischen Reise fand diese illustre Reisegruppe in Toronto, der größten Stadt Kanadas.

Reise des Stadtorchester Bietigheim zur Steubenparade in die USA.

Im Mai 2007 nahm das Stadtorchester Bietigheim e.V. am Deutschen Musikfest in Würzburg teil. Dieses Musikfest, welches bis 2001 als Deutsches Bundesmusikfest bekannt war, wird alle sechs Jahre von der Bundesvereinigung Deutscher Musikverbände organisiert. Im Rahmen des Musikfestes werden Konzerte und musikalische Wettbewerbe veranstaltet. Neben einem Wertungsspiel nahmen die Musikerinnen und Musiker des Stadtorchesters deshalb auch an einer großen Parade teil, die bei sengender Hitze durch die Stadt führte. Auch dieses Wochenende ging als unvergessliches Ereignis in die Vereinsgeschichte ein.

Das Sadtorchester Bietigheim beim Musikfest 2007 in Würzburg.

Die Tatsache, dass die Stadt Bietigheim-Bissingen mehrere Städtepartnerschaften pflegt, hat auch immer wieder Vorteile für die Vereine der Stadt. So hatte auch das Stadtorchester Bietigheim e.V. schon diverse Male die Möglichkeit diese Partnerschaften in musikalischer Hinsicht zu pflegen, indem Reisen nach Surrey Heath, Sucy-en-Brie oder Szekszárd unternommen wurden. Auch diese Reisen wurden jede für sich zu einer besonderen Erfahrung und bleiben Teil der Geschichte dieses Vereins - und werden sicherlich durch weitere Reisen ergänzt.

Reise nach Frankreich zur Feierlichkeit der Städtepartnerschaft zwischen Sucy-en-Brie und Bietigheim-Bissingen.

Wie jeder Musikverein hatte auch das Stadtorchester Bietigheim e.V. von Beginn an sein eigenes jährlich stattfindendes Vereinsfest. Was früher als Frühlingsfest in die Geschichte des Vereins einging, ist seit 1996 das Rathaushoffest. Jedes Jahr Ende Juni werden von Freitag bis Sonntag benachbarte Vereine und lokale Bands eingeladen, um für die musikalische Unterhaltung zu sorgen. Auch die Musikerinnen und Musiker des Stadtorchesters geben samstags ihr Können zum Besten. Passive und aktive Vereinsmitglieder teilen sich in Arbeitsschichten ein und sorgen dafür, dass jeder Besucher mit leckerem Essen und Getränken versorgt wird. Der Rathaushof selbst wurde gewählt, da er das richtige stimmungsvolle Ambiente für diese Veranstaltung bietet. Besonders in den Abendstunden bei romantischer Festbeleuchtung fällt so manchem der Weg nach Hause schwer.

Impressionen vom Rathaushoffest des Stadtorchester Bietigheim.Impressionen vom Rathaushoffest des Stadtorchester Bietigheim.

In den frühen 1970er Jahren gründeten einige aktive Mitglieder des Stadtorchesters Bietigheim e.V. eine Theatergruppe, die ungefähr 10 Jahre existierte und deren Mitglieder“ bei verschiedenen Gelegenheiten ihre schauspielerischen Begabungen zum Besten gaben. Noch heute können wir bei Familienfeiern den ein oder anderen aus dieser Gruppe oder der nachfolgenden Generationen ob ihres schauspielerischen Könnens bewundern.

Familienfeier des Stadtorchester Bietigheim, mit Einlagen der Vereinsmitglieder.

Hört man sich die Geschichten der erfahreneren Musiker an, so erkennt man sofort, dass die Zeit in den 1960er und 1970er Jahren eine sehr aktive Zeit war. Es ergab sich, dass der Attersee zu einem beliebten Ausflugsziel für einige Vereinsmitglieder wurde. Freitags wurden das Zelt inklusive der ganzen Familie ins Auto gepackt - nicht zu vergessen das Instrument (!) - und man fand sich mit den Musikerfreunden am Attersee auf dem Campingplatz zusammen. Je nach Lust und Laune konnte es sein, dass in Badehose und Bikini ein Platzkonzert im Wasser stattfand. Auf jeden Fall blieben diese Aktivitäten allen, die dabei waren, in bester Erinnerung.

Damit auch die passiven Mitglieder nicht zu kurz kommen, organisieren die Musikersprecher regelmäßig Ausflüge für alle Vereinsmitglieder. Auf diese Weise war das Stadtorchester beispielsweise in Tübingen zum Stocherkahnfahrenoder auf der Kamelfarm in Rotfelden im Schwarzwald. Ein Ausflug zum Hauptsitz des Franchise-Unternehmens Vom Fass fand ebenso das Interesse aller Vereinsmitglieder wie eine Tagestour nach Abensberg zur Besichtigung der Brauerei Kuchlbauer. Aber auch der Winter schreckt die abenteuerlustigen Mitglieder des Stadtorchesters nicht ab. So war auch der Ausflug nach Enzklösterle zur Poppelmühle im Januar 2010 ein ganz besonderer Tag, bei dem jeder auf seine Kosten kam.

Besuch der Poppelmühle als Vereinsausflug.

Nachdem auch diese außermusikalischen Unternehmungen stets ein großer Erfolg waren, wird auch in Zukunft dafür Sorge getragen, dass diese nicht zu kurz kommen werden.